Die Schatten-WG (selbst geschrieben)

Moin Leser

Wie du vielleicht weißt, wenn du mich schon länger liest, schreibe ich auch selbst gerne. Eigentlich müsste ich mein erstes „fertiges“ Projekt („Halloween“) überarbeiten – denn es ist bislang nur ein erster Entwurf – aber die Uni lässt mir wenig Zeit und mir geistern schon Ideen für Romanprojekt Nummer 3 durch den Kopf. So entstand heute morgen dieser Schnipsel zur „Schatten-WG“ aus Sicht einer Nebenfigur. Viel Spaß und gerne kommentieren und / oder kritisieren!

Die Schatten-WG

Haley

Ich saß zwischen den Elementaren, die in Käfigen von der Decke baumelten und starrte auf mein Handy. Im Paystor strahlte mir Tikker entgegen – eine Dating App. Sollte ich das tun? War es tatsächlich der richtige Weg um jemanden kennenzulernen? Natürlich wäre es besser jemanden im echten Leben zu treffen… Aber in den letzten zwölf Monaten war es nicht dazu gekommen. Auf einen Versuch konnte man es ankommen lassen. Ich installierte die App. Während sie heruntergeladen wurde, lief ich in die Küche, in der die Neue kleinlaut vor einer Tasse Kaffee saß und ins Leere starrte, als würde sie ihre Lebensentscheidungen überdenken. Ich beschloß das zu ignorieren, holte mir mein Lieblingseis aus dem Gefrierfach, einen Löffel und kehrte in mein Zimmer zurück.
Tikker war fertig heruntergeladen.
Eis essend erstellte ich mein Profil – suchte Fotos der letzten Zeit aus, in denen mein Gesicht und meine Brüste sowie mein kurviger Körper gut zur Geltung kamen – und schrieb ein bisschen was über mich. Bisexuell, poly, liebe gutes Essen. Den Teil mit einem Clan, dem ich mein Leben verschrieben hatte, und der Hexerei erwähnte ich erstmal nicht.
Danach wischte ich mich durch Fotos von Menschen, die ich noch nie gesehen hatte. Mal nach links, mal nach rechts. Als die Nachricht aufleuchtete „Sie haben Matsch!“ verfiel mein bis dahin noch ruhiges Herz in einen Galopp. Sollte ich etwas schreiben? Aber was?
Es war ein Kerl – zog da nicht die Regel, dass frau sich ansprechen lassen bzw. anschreiben lassen konnte? Etwas Gutes musste diese ungleiche Geschlechtersache doch auch für Frauen haben. Ich begann also wieder zu wischen.
Zwei Stunden später wurde ich dazu angehalten, auf die kostenpflichtige App-Version zu upgraden oder zwölf Stunden zu warten. Ich besah mir meine Matsches. Nur weiße Kerle in meinem Alter und keiner hatte mich angeschrieben. Was war mit den ganzen Frauen passiert, die ich nach rechts gewischt hatte? Sah ich zu hetero aus?
Frustriert legte ich das Handy zur Seite und schlürfte das geschmolzene halbe Eis aus dem Pappbecher. Über Tikker hatte ich es vergessen, aber auch in flüssigem Zustand war es noch lecker.

Bis dann

Gedankenpilze

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