Eine kurze Geschichte der Menschheit (4) Lesetagebuch/Zusammenfassung.

Moin Leser*in!

Endlich geht es weiter mit meinem Lesetagebuch, das nebenbei zu einer Zusammenfassung mutiert ist… Zuerst einmal: Was bisher geschah:

Die Entstehung von Homo sapiens, das Leben der ersten sapiens und die anderen Menschenarten. Die Besiedelung der Welt und die Fähigkeiten, die das möglich machten. Die besondere Kraft von Fantasie und von Geschichten, die wir uns erzählen, und die unsere Gesellschaft gestalten.

Bevor wir zum neuen Teil kommen (Kapitel 5 und 6, landwirtschaftliche Revolution und Pyramiden bauen) hier die bisher gebloggten Beiträge zum Buch:

Eine kurze Geschichte der Menschheit (4)

Beginn von
Teil 2
Die landwirtschaftliche Revolution

Kapitel 5
Der größte Betrug der Geschichte


Beinhaltet die Abschnitte: Die Luxusfalle (wie Menschen schrittweise dazu verführt wurden ein elenderes Leben zu führen indem sie Bauern wurden), Göttliche Einmischung (wie religiöse Vorstellungen das Verhalten von Jägern und Sammlern evtl beeinflussten und evtl zur Bauern-Werdung beitrugen / dies initiierten), Die Opfer der Revolution (das Schicksal der Nutztiere)

„Zweieinhalb Millionen Jahre lang ernährten sich die Menschen von Pflanzen und Tieren, die ohne menschliche Eingriffe lebten und sich vermehrten.“
„Das änderte sich vor etwa 10.000 Jahren. Damals begannen die Sapiens, ihre Anstrengungen fast ausschließlich auf die Manipulation einiger weniger Tier- und Pflanzenarten zu bündeln.“
„Die Revolution begann allmählich und blieb zunächst auf kleine Regionen beschränkt“
„Trotz all unserer wunderbaren modernen Erfindungen beziehen wir bis heute mehr als 90% unseres Kalorienbedarfs aus einer Handvoll von Pflanzenarten.“
„Wir denken und fühlen bis heute zwar wie die Jäger und Sammler, doch wir ernähren uns wie die ersten Bauern.“
Die Landwirtschaftliche Revolution begann in verschiedenen Teilen der Welt unabhängig voneinander.
Im Jahr 0 (Christi Geburt) bestand die Menschheit zum überwiegenden Teil aus Bauern. Diese hatten ein härteres und entbehrungsreicheres Leben als die Jäger und Sammler zugunsten kleiner verwöhnter Eliten. Die Umstellung hatte nichts mit höherer Intelligenz zu tun.
Theorie, die mir sehr komisch vorkommt: nicht Homo sapiens hat den Weizen domestiziert, sondern der Weizen den Sapiens. Weizen ist eine der erfolgreichsten Pflanzenarten, weil er sich mit uns als Nutzpflanze ausbreiten durfte. Sapiens kümmerten sich den ganzen Tag auf Kosten ihrer eigenen körperlichen Gesundheit um diese Pflanze. Ohne einen großen Mehrwert im Vergleich zum Jäger und Sammler leben. Es gab eine Bevölkerungsexplosion, aber mehr Krankheiten und mehr Unsicherheit, weil die Ernährung nur so unflexibel auf Katastrophen (Dürre, Heuschrecken, Pilze und Co) reagieren konnte und Bauern immer wieder zu Tausenden daran sterben.
Menschliche Gewalt wurde befeuert und im Laufe der Zeit durch die Gründung von Städten, Reichen und Staaten eingedämmt (was mich an den Leviathan erinnert).

Wieder wird mit Arterhaltung als Erklärung argumentiert, was ein Mechanismus ist, der nicht existiert (!). Warum existiert „Arterhaltung“ als evolutionärer Mechanismus nicht? Weil Individuen Egoisten sind. Es gibt dazu eine Reihe anschaulicher Erklärungen.
Wieder wird Evolution wie eine denkende, planende Instanz eingeführt, was ich für kompletten Quatsch halte. Die Evolution „will“ gar nichts und tut nichts „weil“ xyz. Evolution denkt nicht, will nichts, plant nichts. Evolution passiert. Sie ist unser Erklärungskonzept für bestimmte, generationenübergreifende Phänomene in der Natur. Das, was dem Individuum Vorteile bringt, wird durch Selektion, welche auf die Individuen, wirkt eher weitergegeben, als die Merkmale, die dem Individuum keine Vorteile bringen. Nicht weil die Evolution das für eine gute Idee hält, sondern weil das Überleben oder die Fortpflanzung des Individuums dadurch wahrscheinlicher wird. Auf der entgegengesetzten Seite der Münze: Was das Überleben oder die Fortpflanzung des Individuums unwahrscheinlicher macht, wird aus der Population eher herausgefiltert. Zwischen den Seiten der Münze: Alles was nicht stört, bleibt. Auch ohne Nutzen.

Es wird dargestellt wie es menschlichen Nutztieren ergeht (schlecht) auf der Ebene des Tierwohls, während Rinder, Hühner und Co in Anbetracht ihrer Zahl zu den erfolgreichsten Arten zählen. „Aus evolutionärer Sicht.“

Beginn von Kapitel 6:

Pyramiden bauen


Ob die landwirtschaftliche Revolution gut oder schlecht für Homo sapiens war, ist umstritten. Auf jeden Fall führte der Übergang vom Jäger-und-Sammler-Dasein hin zum Bauerndasein zu einem deutlichen Bevölkerungsanstieg. Das Territorium pro Person schrumpfte erheblich. Der Lebensraum wurde künstlich. Der Besitz (Haus, Hof, Vorräte, Werkzeuge) wurde ungern unbeaufsichtigt von den Menschen zurück gelassen, um ihn nicht an räuberische Artgenossen zu verlieren. Neue Werkzeuge wurden erfunden und die Menschen begannen damit, mehr Besitz anzusammeln.

Die Entdeckung der Zukunft

Bauern müssen mehr an die Zukunft denken / vorausplanen als Jäger und Sammler. Was planen sie? Wann, was, wie viel anbauen, um in der Zukunft schlechte Jahre zu überleben?

(Kommentar: Gewagte Behauptung. Sie scheint zwar plausibel, aber nur einem hypothetischen Standpunkt entsprungen. Wer weiß schon, ob die Jäger und Sammler nicht auch gründlich planten und sich über die Zukunft Gedanken machten?)

„Bauern machten sich nicht nur deshalb Gedanken über die Zukunft, weil sie mehr Grund zur Sorge hatten, sondern auch, weil sie etwas tun konnten.“

Herrscher und Eliten raubten Bauern ihre Überschüsse und die Überschüsse wurden Treibstoff für Politik, Kriege, Kunst, Philosophie und der Errichtung von Palästen und Tempeln. Ernährt wurde eine kleine Elite, die heute die Seiten der Geschichtsbücher füllt, während der Großteil der Menschen Landwirtschaft betrieb.

(Das halte ich für sehr wahr. Allein die mittelalterlichen Texte drehen sich fast ausschließlich um Belange des Adels, während der Großteil der Bevölkerung nicht vorkommt.
Hinterlässt auch den unangenehmen Verdacht, dass ich jetzt, global betrachtet, gerade zu der Elite gehöre, die von schwer arbeitenden sapiens durchgefüttert wird.)

Eine erfundene Ordnung

„Schuld an diesen Katastrophen [Bürgerkriege und Revolutionen] ist die Tatsache, dass wir Sapiens keine natürlichen Instinkte mitbringen, die uns die Zusammenarbeit mit großen und anonymen Gruppen ermöglichen würden.“

„Als die landwirtschaftliche Revolution die Möglichkeit zur Gründung überfüllter Städte und mächtiger Weltreiche eröffnete, erfanden die Menschen Geschichten über große Götter, Vaterländer und Aktiengesellschaften und schufen damit den nötigen gesellschaftlichen Kitt.“

„Während die biologische Evolution im üblichen Schneckentempo dahinkroch, schuf die menschliche Fantasie erstaunliche Netzwerke der Massenkooperation, wie sie unser Planet noch nie gesehen hatte.“

Die ersten Städte und Imperien/Kooperationsnetzwerke entstanden und fielen – einige werden genannt mit Zahlen. Auf die Gesellschaften wird nicht beschreibend eingegangen.

‚Massenkooperationen‘ gingen für gewöhnlich mit Ausbeutung und Unterdrückung einher

Es wird vom Kodex Hammurabi und der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung erzählt. Beides Texte die „allgemeingültige“ und „für alle Zeit gültige Gesetze und Rechte“ aufstellen. Hammurabi teilt dabei die Bevölkerung in „Freigeborene“, „Gemeine“ und „Sklaven“ ein, mit unterschiedlichen Werten und Rechten. Die amerikanische Unabhängigkeitserklärung hingegen behauptet, alle Menschen seien gleich mit unveräußerlichen gleichen Rechten. Der Autor stellt dar, dass keiner der Texte korrekt ist, obwohl das beide von sich behaupten. Aber es geht nicht darum, was wahr ist, sondern woran wir glauben wollen, weil daraus resultiert, in welcher Gesellschaft wir leben (wollen).

Neuer Abschnitt:
Glaube versetzt Berge

Der Kodex Hammurabi sei genauso eine erfundene Ordnung wie die Menschenrechte. Sapiens hätten diese „Gesetzmäßigkeiten“ erdacht und versuchten zu handeln, als seien sie wahr, um eine stabile Gesellschaft zu produzieren. Was keinesfalls bedeutet, dass es schlecht ist, an die Menschenrechte zu glauben. Im Gegenteil.

„Eine natürliche Ordnung ist eine stabile Ordnung. Die Schwerkraft wird nicht mit einem Mal aufhören zu existieren, nur weil wir nicht mehr an sie glauben. Im Gegensatz dazu läuft eine erfundene Ordnung ständig in Gefahr, in sich zusammenzufallen wie ein Kartenhaus, weil sie auf Mythen gebaut ist, und weil Mythen verschwinden, wenn niemand mehr an sie glaubt.“

Um eine erfundene Ordnung aufrecht zu erhalten, würden Zwang und Gewalt nicht ausreichen. „Und warum sollten Soldaten, Gefängniswärter, Richter und Polizisten eine erfundene Ordnung aufrechterhalten, an die sie gar nicht glauben? Von allen menschlichen Tätigkeiten ist keine schwerer zu organisieren als die Gewalt.“

„Zumindest ein Teil der Offiziere und Soldaten muss an irgendetwas glauben, sei es Gott, Ehre, Vaterland, Männlichkeit oder Geld.“

Neuer Abschnitt:
Die Gefängnismauern

„Aber wie bringt man Menschen dazu, an erfundene Ordnungen wie das Christentum, die Demokratie oder den Kapitalismus zu glauben? Die oberste Regel ist: Sie dürfen nie zugeben, dass diese Ordnung nur ein Fantasieprodukt ist. […] Die Menschen sind nicht deshalb gleich, weil die Väter der amerikanischen Verfassung das so wollten, sondern weil Gott sie so erschaffen hat. Die Marktwirtschaft ist nicht deshalb das beste Wirtschaftssystem, weil Adam Smith das behauptet, sondern weil Sie den Gesetzen der Natur entspricht.“

Unsere westliche Gesellschaft heute feiert den Individualismus, was sich sowohl in Geschichten und Verhaltensregeln als auch in privaten Zimmern niederschlägt.
„Jeder von uns wird in eine bereits bestehende Ordnung hineingeboren, und von Geburt an wird jeder unserer Wünsche durch die Mythen dieser Ordnung vorgegeben.“
„Die Romantik, die uns Glück durch eine Vielfalt von Erlebnissen verspricht, passt ausgezeichnet zur Ideologie des Konsumismus, der uns das Glück durch Konsum verheißt.“ -> ‚Erlebnisökonomie‘
Es geht um ’subjektiv‘ und ‚objektiv‘ und um geteilte Fantasien (intersubjektiv: Gesetze, Geld, Götter, Nationen. Ob ein einzelner aufhört an eines davon zu glauben, ist für das System irrelevant.).

Um intersubjektive Fantasien zu ändern, brauche es immer eine noch stärkere intersubjektive Fantasie. Größer als die Firma Peugeot ist das Land Frankreich. Größer als das Land Frankreich ist die EU. Usw. „Es gibt also keinen Ausweg aus der erfundenen Ordnung. Wenn wir die Gefängnismauern niederreißen, um in die Freiheit zu laufen, landen wir unweigerlich im Hof eines noch größeren Gefängnisses.“


Kommentar:
Starke Worte, starke Formulierungen. Inhaltlich stimme ich den meisten Gedanken zu. Wenn ich meine Zusammenfassung betrachte, denke ich, dass man die Aussagen des Buches viel komprimierter hätte fassen können – aber dann wären wohl zu viele Zwischentöne verloren gegangen, die notwendig sind, um die zum Teil krassen Gedanken so nachvollziehbar zu machen.
Es ist spannend, dass weder vor Religions- noch Kapitalismus-kritik auch nur kurz halt gemacht wird. Dabei geht es weniger um eine detaillierte Kritik oder Alternativvorschläge, sondern nur um den Anstoß das Ganze Mal aus einer distanzierteren Perspektive zu sehen. Auf der Grundlage, dass wir Menschen unsere Gesellschaft selbst erschaffen, indem wir an bestimmte Regeln und Gesetzmäßigkeiten glauben, die es nicht geben würde, wenn niemand daran glaubte. In diesem Teil haben wir uns von der biologischen Perspektive weg bewegt und über eine geschichtliche Perspektive hinweg eine polit-philosophische-Brille aufgesetzt. Ich bin gespannt darauf, wie es weiter geht und hoffe, dass ich es schaffe, das ganze Buch zu lesen – obwohl ich eigentlich nicht so der Sachbuchtyp bin.

Schreib mir wie immer gern deine Gedanken in die Kommentare!

Bis dann

Gedankenpilze

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