Achtundzwanzigstes Kapitel: Liams Fehler

Der Einfachheit halber würde ich das zu Ende posten dieser Geschichte über meinen Blog gerne erstmal lassen – es ist einfach am meisten Arbeit.

Aber du kannst die Geschichte über fanfiktion.de zu Ende lesen, wo ich die Kapitel weiterhin hochlade:

https://www.fanfiktion.de/s/6172acab0001a427fd2ed19/1/Nora-039-s-Halloween

Hier geht es zum ersten Kapitel:

https://gedankenpilze.com/?p=2309

Tipp: Finde alle Kapitel über das Schlagwort „Nora’s Halloween“ – x

Liam sah völlig verzweifelt aus. „Das kann einfach nicht sein. Mal angenommen du warst wirklich in einem geheimen Bücherzimmer und bist dort dem Meister und Cadoc begegnet. Dann können Sie nicht gesagt haben, was du behauptest. Du musst es falsch verstanden haben.“

Allmählich wollte ich meinen Begleiter bei den Schultern packen und ihn kräftig schütteln. „Warum ist es für dich so dermaßen schwer zu glauben, dass Leviathan etwas Schlimmes im Schilde führt? Hat er denn jemals etwas getan, was dich davon überzeugt, dass er zu so etwas nicht fähig wäre? Vielleicht ist er einfach größenwahnsinnig! Du hast gesagt, die Lichtwelt und die Schattenwelt sind von Natur aus gleich stark. Vielleicht glaubt Leviathan das nicht mehr. Immerhin hat er auch alle anderen Hexenmeister besiegt. Vielleicht kann er sich einfach nicht vorstellen, dass es da draußen eine Macht gibt, die es mit ihm aufnehmen kann oder will. Auf jeden Fall hat er jedes Gefühl für den Wert des Lebens verloren.“

Liam umklammerte den kleinen Stein so fest, dass seine Knöchel weiß hervortraten. „Was du da sagst, ist Hochverrat.“

„Ja, ich weiß. Aber ich habe doch einfach Recht. Wir müssen etwas gegen Leviathan unternehmen. Kannst du das nicht sehen?“

Liams Haltung sank ein Stück in sich zusammen. Seine Schultern fielen nach vorn und er schien ein Stück zu schrumpfen. „Ich muss mehr darüber herausfinden.“

„Wie meinst du das? Glaubst du mir noch immer nicht?“

Liam musterte mit grimmiger Miene mein Gesicht und gab mir keine Antwort auf meine Frage. „Komm, wir suchen Wolf. Er kann für eine Weile auf dich aufpassen, während ich versuche mehr herauszufinden.“

„Das ist jetzt nicht dein Ernst, oder? Niemand muss auf mich aufpassen. Was auch immer du vorhast, das können wir zusammen machen.“

„Nein. Diesmal nicht. Ich muss mit meinem Vater reden. Er wird mir nichts sagen, wenn du dabei bist.“

Ich schluckte und bekam Zweifel. „Du kannst ihm nicht sagen, was ich gehört habe und was wir vorhaben. Was ist, wenn er seinem Meister so loyal gegenübersteht, dass er sich gegen dich wendet? Oder vielleicht steht er ja unter einem Zwangzauber und liefert dich deshalb ans Messer. Das kannst du doch nicht riskieren!“

„Das ist nicht deine Entscheidung. Wenn ich auch nur in Erwägung ziehe, alles zu verraten, an das ich bisher geglaubt habe, dann brauche ich dafür mehr als nur dein Wort.“

Ich spürte, das ich verloren hatte, wollte aber noch nicht aufgeben. Liam sollte nichts passieren. „Liam, bitte tu das nicht! Es ist wirklich zu gefährlich. Du darfst Leviathan nicht ahnen lassen, was wir vorhaben.“

Liam musterte mich abschätzig von Kopf bis Fuß. Noch immer war er skeptisch. „Du meinst, was du vorhast. Wenn du an meiner Stelle wärst, würdest du das verstehen. Ich werde mich nicht unnötig in Gefahr bringen. Aber ich muss mit meinem Vater darüber reden.“ Er wandte sich von mir ab und hätte mir dabei um ein Haar seine zusammengefalteten Flügel ins Gesicht geschlagen. Er wollte die Tür öffnen und rüttelte vergeblich daran. „Sesam!“ Und weg war er.

Ich folgte ihm dicht auf.

Wir fanden Wolf bei Theresia im Trockenraum. Die beiden saßen auf dem Boden und hielten sich an den Händen. Theresias skelettierte Hände lagen in Wolfs menschlichen Händen. Ich betrachtete verblüfft seinen Körper. Er war… Menschlich. Er sah aus, wie der Junge, den er in der Steinkugel gesehen hatte.

Sie mussten sich über irgendetwas unterhalten haben, doch Liam platzte sofort damit heraus, was er zu sagen hatte. Und unterbrach das, was auch immer gerade vorgegangen war. „Ihr müsst für ein paar Stunden auf Nora aufpassen. Es ist sehr wichtig, dass ihr sie nicht alleine lasst.“

Wolf und Theresia sahen verdutzt in unsere Richtung. Naja, Wolf schaute verdutzt. Bei Theresia war es schwer zu sagen. „Wieso?“, fragte Wolf.

„Wer will ihr denn etwas tun? Und wieso sollen wir das machen?“, ergänzte Theresia.

„Das kann ich euch jetzt nicht erklären.“ Liam drehte sich um und stapfte davon.

Ich blieb wo ich war und ließ ihn gehen. Hoffentlich hatte ich jetzt keinen riesigen Fehler begangen. Leviathan durfte auf gar keinen Fall erfahren, was ich wusste und was ich vorhatte.

Meine Freunde sahen mich an. „Was zur Hölle ist denn mit dem los?“ Theresia schüttelte ihren Totenschädel.

Die Beklemmung lag auf meiner Brust wie ein großer Stein. „Er muss etwas mit seinem Vater besprechen.“

Wie magnetisch wurde mein Blick von den Händen der beiden angezogen. Theresias Hände lagen noch immer in denen von Wolf. „Störe ich euch etwa bei einem Date?“

Sofort riss Wolf seine Hände zurück und ich bereute meine Worte. Sein Hals und sein Gesicht erröteten. Sein Gesicht verformte sich ein wenig und die klauenartigen Nägel sprangen aus Händen und Füßen hervor.

Theresia kicherte. „Das wäre ja völlig verrückt! Niemand entwickelt romantisches Interesse an einem Skelett, das nicht sterben kann. Wie kommst du nur auf so etwas?“

Wolf warf dem Skelett einen verstohlenen Blick zu und sagte nichts.

Oha. Ich seufzte und setzte mich zu meinen Freunden auf den kalten Steinboden.

„Gibt es einen bestimmten Grund dafür, warum du im Nachthemd herumläufst?“, erkundigte Theresia sich.

Überrascht sah ich an mir herunter. Das hatte ich völlig vergessen. „Das ist ein Versehen.“

Theresia legte ihren Totenschädel schräg und starrte in meine Richtung. „Raus mit der Sprache. Was zur Hölle ist hier los? Hast du etwas ausgefressen?“

„Erst ihr – Wolf, wie hast du es geschafft Menschengestalt anzunehmen? Das ist toll!“

Er lächelte verlegen, auch wenn er jetzt wieder in seiner Halbform war. „Du hattest Recht – es war an der Zeit ein paar Grenzen zu ziehen.“

Ich konnte nicht anders als zu grinsen und mich für ihn zu freuen.

„Ja ja, wir sind alle super happy. Aber jetzt raus mit der Sprache – was ist mit deinem Begleiter los und warum trägst du nur ein Nachthemd?“

Jetzt wo sie mich daran erinnerte, wurde mir bewusst wie ich fror. Ich stand auf und suchte nach Kleidung, die mir passen könnte und trocken war und streifte sie über. Währenddessen antwortete ich, indem ich erstmal vom Thema ablenkte. „Ist euch aufgefallen wie fertig Isabella ist, seit Samara das erste Halbjahr als Beste abgeschlossen hat? Man erkennt sie praktisch gar nicht wieder.“

Einen Moment lang herrschte Schweigen. Vielleicht dachten die beiden gerade darüber nach, ob sie mir meinen ziemlich offensichtlichen Ablenkungsversuch durchgehen lassen sollten oder nicht. Ich wappnete mich innerlich schon dafür ein Verhör abzuwehren, als Theresia glücklicherweise doch darauf einging. „Ja. Sie versüßt mir jede Nacht, in der ich sie so sehe. Außerdem hat sie auch ihre Schikanen eingestellt. Hoffentlich bleibt sie für immer so.“

Die Worte schmerzten mir im Herzen. „Mir ist ja klar dass sie wirklich eine ganz üble… Zicke war, aber tut sie dir nicht auch ein bisschen leid?“

„Mir leid tun? Kein bisschen! Und dieses Biest als Zicke zu bezeichnen ist in etwa so als ob man einen Tornado eine Brise nennt. Isabella ist praktisch ein kleines Monster.“ Theresia klang ziemlich unversöhnlich.

Immerhin hatte Isabella ja auch versucht das Skelett zu töten. Mehrmals. „Trotzdem… Mir tut sie schon irgendwie leid.“

Meine Gedanken schweiften zu Liam. Eventuell war diese Diskussion hier über Isabella das letzte Gespräch das ich führen würde bevor man mich exekutierte oder einkerkerte.

„Wieso das denn? Immerhin war sie zu dir auch nicht besonders nett. Du brauchst dringend ein bisschen Nachhilfe in Sachen Schadenfreude.“

Unwillkürlich seufzte ich und blickte zu Wolf, der jedoch auf seine Hände starrte. Die Nägel waren wieder menschlich. Es irritierte mich, dass er nun so verflucht normal aussah. „Ich frage mich nur was mit ihr passiert ist…“, sagte ich.

Theresia gab ein schnaubendes Geräusch von sich, was mir komisch vorkam in Anbetracht der Tatsache dass sie keine richtige Nase besaß. „Sie wurde enterbt. Das ist passiert.“

Fassungslos starrte ich in die leeren Augenhöhlen meiner Freundin. „Enterbt?“

„Ja. Die Schattentraums sind eine ziemlich mächtige Familie. Bislang war jeder einzelne Sprössling in jedem einzelnen Semester im Schloss Bester. Das ist für die eine ziemlich große Sache. Isabella ist jetzt sozusagen ein Schandfleck auf dieser unfassbar langen Reihe von Auszeichnungen. Und zur Strafe wurden ihr zusätzlich noch alle Privilegien entzogen.“

„Das ist doch albern!“

Theresia zuckte mit den Schulterknochen. „Hexen sind so. Nichts für ungut.“

„Wie kann eine blöde Schulauszeichnung jemandem denn so viel bedeuten?“

„Nun ja, diese blöden Auszeichnungen haben direkte Auswirkungen auf die politische Macht einer Familie. Und Macht bedeutet der Familie Schattentraum einfach alles. Sie dürfen den Meister nicht länger beraten, jetzt machen das die Winterherz.“

Das war absurd. Und tragisch. Wenn ich Isabella nicht ständig sabotiert hätte, wäre ihr das vermutlich nie passiert. Andererseits hatte sie mich genauso behandelt. Sonst säße ich jetzt vielleicht Zuhause… In meinem Kopf setzten sich die Ereignisse wie Puzzlestücke zusammen. Wir hatten beide viel verloren. Mit gutem Zureden könnte es mir vielleicht gelingen mich mit Isabella zusammen zu tun. Oder war das einfach nur komplett wahnsinnig?

Meine Gedanken kehrten wieder zu Liam zurück. Ich hätte ihn nicht gehen lassen dürfen. Was, wenn ihm etwas zustieß? Mein Herz pochte verletzlich in meinem Brustkorb. Als würde ich es nicht mehr ausreichend schützen.

„Du hast doch irgendwas“, sagte Theresia.

Verwirrt sah ich auf. „Was?“

„Du siehst aus als würde dich etwas bedrücken. Dir ist schon klar, dass du es uns erzählen kannst, oder?“

Wolf nickte zustimmend.

Ich setzte mich zu den beiden und suchte nach Worten.

Ein kalter Fingerknochen stupste gegen meine Stirn. „Nora? Hallo-o? Was ist los?“

Ich lehnte mich außer Reichweite zurück. „Wisst ihr was die Lichtwelt ist?“

„Was hat das denn jetzt damit zu tun?“

„Sozusagen das Gegenteil der Chaoswelt“, sagte Wolf. „Die Chaoswelt ist eine Dimension, die an bestimmten Punkten mit der Erde verbunden ist. Dadurch entstehen Schattenwesen wie ich. Dämonen kommen von dort und deshalb tragen sie einen Teil der Chaosenergie in sich. Die Lichtwelt ist eine andere Dimension, die sich ein wenig mit der Erde vermischt an bestimmten Punkten. Dadurch entstehen andere Arten von magischen Geschöpfen.“

„Wieso fragst du das jetzt? Was hat das mit Liam und deiner Stimmung zu tun? Jetzt erzähl mal endlich was! Hast du ihm einen Heiratsantrag gemacht?“

„Was?“

„Ich dachte vielleicht ist Liam etwas konservativer als du. Kein Sex vor der Ehe…“

„Theresia!“, rief ich entsetzt. „Nein! Ich will überhaupt nichts von Liam und heiraten schon gar nicht!“

Sie schwieg, aber ich spürte, dass sie mir kein Wort glaubte.

Wolf unterbrach unser Geplänkel. „Wieso hast du nach der Lichtwelt gefragt?“

Wieder drängte sich Liam in meine Gedanken. Ich konnte hier doch nicht herumsitzen und nichts tun! Vielleicht passierte meinem Begleiter genau in diesem Moment irgendetwas. Vielleicht hatte er mich auch verraten, oder sein Vater hatte es getan. Womöglich stand meine Verhaftung kurz bevor und ich saß hier herum und tat gar nichts.

An wen konnte ich mich nun wenden, wenn nicht an meine Freunde?

Nächstes Kapitel (sobald online):

https://gedankenpilze.com/?p=2510

Tipp: Finde alle Kapitel über das Schlagwort „Nora’s Halloween“ – x

Der Einfachheit halber würde ich das zu Ende posten dieser Geschichte über meinen Blog gerne erstmal lassen – es ist einfach am meisten Arbeit.

Aber du kannst die Geschichte über fanfiktion.de zu Ende lesen, wo ich die Kapitel weiterhin hochlade:

https://www.fanfiktion.de/s/6172acab0001a427fd2ed19/1/Nora-039-s-Halloween

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