Achtes Kapitel: Dämonenbeschwörung

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Lumi schlief in dem leeren Honigglas und erleuchtete meinen Raum mit schwachem, bläulichem Licht.  Das Skelettmädchen zog los und kam wenig später mit einem dicken, alten Buch zurück. Es sah antiquarisch aus. In Leder gebunden, mit metallenen Ecken und gelbem, ungewöhnlich dickem Papier darin. Theresia gab es mir. In altertümlicher Schrift waren Buchstaben in den Deckel eingraviert. Der Titel lautete: Dämonische Begleiter für Erstklässler.

Theresia ließ sich auf meinem Bett nieder, während ich die erste Seite aufschlug und den Duft nach altem Papier und Leder genießerisch einsog. Dem Inhaltsverzeichnis war zu entnehmen, dass das Buch mit Steckbriefen über verschiedene, niedere Dämonen gefüllt war. Im Schlussteil gab es jedoch auch ein Kapitel für Fortgeschrittene oder „besonders talentierte Hexen“. Er handelte von mittelstarken Dämonen. Sofort schlug ich den Teil auf. Ich brauchte einen starken Dämon. Die erste Seite befasste sich mit einer kurzen Warnung. Es sei gefährlich einen Dämon zum Begleiter zu wählen, den man nicht kontrollieren konnte… blabla. Ich blätterte die mittelstarken Dämonen im letzten Kapitel durch. Bei einem von ihnen hielt ich überrascht inne. Das konnte ich nicht tun, oder? Aber… es war die perfekte Lösung!

Zusammen mit Theresia übte ich das Zeichnen eines Beschwörungskreises, was sie auch nur vom Zusehen kannte. Wir versuchten die Anweisungen aus dem Buch buchstabengetreu umzusetzen. Als ich schließlich ins Bett kam, was ich merkwürdig zufrieden und nicht mehr so verzweifelt, wie man es bei einer Entführung in ein Geisterschloss sein sollte.

Es waren nur wenige Stunden Schlaf. Gefüllt mit einem Albtraum. Ich sah die eingesperrten Engel. Sie schrien meinen Namen. Brauchten meine Hilfe. Starben. Mit ihnen eingesperrt waren meine verzweifelten Eltern. Nur dass sie mich beschimpften, weil ich nicht ihre Tochter war, sondern angeblich ihre echte Tochter ermordet hatte.

Theresia riss mich zurück in die Wirklichkeit. Blinzelnd machte ich ihre Gestalt im Türrahmen aus. Den mehrarmigen Kerzenleuchter tragend stand das Skelett dort und starrte mit leeren Augenhöhlen in meine Richtung. „Zeit fürs Frühstück. Den Weg findest du allein, oder?“ Bruchstücke von Erinnerungen tauchten in meinen Gedanken auf. Ich nickte verschlafen, aber das sah sie schon nicht mehr. Allein diese Bewegung zog schmerzhaft in meinen Muskeln.

Vor lauter Müdigkeit stellte ich mich ziemlich ungeschickt dabei an, mir eines der schwarzen Baumwollkleider über den Kopf zu ziehen. Ich hatte Muskelkater im ganzen Körper. Außerdem fror ich erbärmlich. Aber wenigstens spendete Lumi mir Licht (und fragte alle fünf Minuten nach Honig, obwohl ich ihr schon einen großen Klecks gegeben hatte, woran sie sich aber nicht erinnerte). Als ich die enge Wendeltreppe nach unten ging, warf ich dem Irrlicht noch einen kurzen Blick zu.  

An einer der Wände des Saals war ein langer Tisch aufgebaut, auf dem verschiedene Nahrungsmittel bereitstanden. Ich entschied mich für das, was ich identifizieren konnte und kein Blut oder rohes Fleisch enthielt.

Am Tisch der Hexen saßen bislang weder Samara noch Isabella. Die wenigen Mädchen, die schon wach waren, kannte ich von gestern nur vom Sehen.

Ich setzte mich und schaufelte einen undefinierbaren Brei mit Kürbisstücken in mich hinein. Wie es meinen Eltern wohl gerade ging? Der Gedanke goss Traurigkeit in mein Herz. Wahrscheinlich kamen sie um vor Sorge. Konnte es wirklich sein, dass sie nicht meine biologischen Eltern waren? Und wenn ja – wer war das dann?

Als ich fast fertig war mit Essen, setzte Samara sich neben mich. Sie sah noch missgelaunter aus als gestern. Ihre kohleschwarzen Haare standen in alle Richtungen von ihrem Kopf ab. Ich wartete darauf, dass sie fertig wurde. Bislang war sie die einzige Klassenkameradin, die nicht gemein zu mir war.

Auch an diesem Tag war Beschwörung die erste Unterrichtseinheit. Meine Mitschülerinnen strahlten Aufregung aus. Manche wirkten nervös. Wie gestern ließ ich mich auf dem dreizehnten Platz ganz hinten nieder.

Heute saßen auf der Fensterbank viele Tiere, die ich für Kobolde hielt. Mehrere Krähen waren darunter, aber es gab auch Vogelspinnen, Kröten, Katzen und Schlangen. Wie waren die überhaupt da rauf gekommen?

Wenig später betrat der alte Mann den Raum. Menowin. Er sah regelrecht vergnügt aus. „Lasst uns keine Zeit verschwenden!“ Seine wässrigen Augen schweiften über unsere Reihen und er zeigte auf ein Mädchen. „Du fängst an!“

Im Raum war es totenstill. Das Mädchen stand auf und trat nach vorne. Menowin gab ihm einen Kettenanhänger und ein Stück Kreide. Damit zeichnete es einen Kreis auf den Boden, wie wir ihn gestern geübt hatten, mitsamt den Elementsymbolen und anschließend ein Symbol auf einen flachen Kettenanhänger, der die Größe einer Handfläche besaß. Ich wusste aus dem Buch von gestern wie dieses Symbol auszusehen hatte. Die Hände des Mädchens zitterten. Als es fertig war, runzelte es die Stirn. Nichts geschah. Der Gesichtsausdruck wurde noch angestrengter.

Im Kreis erschien ein weißes Kaninchen.

Menowin und die anderen meiner Klassenkameraden zogen zischend die Luft ein. Was war denn los? Das Kaninchen war richtig niedlich. Es sah sich neugierig um, völlig ohne Scheu. Schließlich richtete das Tier seinen Blick auf das Mädchen vor sich. Ich war fasziniert davon wie niedlich ein angeblich dämonisches Wesen sein konnte – wurde jedoch schnell eines Besseren belehrt. Das süße Gesicht verwandelte sich in eine albtraumhafte Fratze, als sich der Kaninchenmund zu einem unnatürlich breiten Grinsen verzerrte. Innerhalb einer Sekunde schwoll das Kaninchen an, bis es genauso groß war wie das Mädchen selbst.

Die Schülerin löste sich aus ihrer Schreckstarre und machte Anstalten zu fliehen, doch sie war zu langsam. Das Kaninchen riss sein Maul auf, in dem sich lauter spitze Reißzähne befanden, die schwarzrot glänzten. Der Dämon stürzte sich auf das Mädchen und verschlang es. Ihr Todesschrei brach jäh ab, als der Dämon kaute. Blut spritzte und lief ihm ins weiße Fell. Das Geräusch brechender Knochen brannte sich mir ein. Eiskalter Schock lähmte mich. Oh – mein – Gott. Das war gerade nicht wirklich passiert, oder?

Und ich hatte gedacht, es sei ein Scherz gewesen, dass bei diesem Ritual Schüler gefressen wurden!

Das Kaninchen löste sich in einer schwarzen Rauchwolke auf und mit ihm der Kreidekreis auf dem Boden. Es blieb nichts zurück außer einem einsamen Stückchen Kreide und einigen Blutspritzern. Im Raum herrschte Stille, bis Menowin bedauernd sagte: „Und wieder ein Fall von Selbstüberschätzung. Es hat seinen Grund, dass Erstklässler sich Kobolde aussuchen sollen und keine höheren Dämonen.“ So richtig schockiert klang er nicht. Sondern eher so, als würde er darüber reden, dass jemand wider besseren Wissens die falsche Blumenerde gekauft hatte.

Mir war übel und kalt. Wieder und wieder sah ich den Moment vor mir, in dem der Schrei jäh abbrach, Knochen brachen und Blut spritzte. Ich presste mir eine Hand auf den Mund und versuchte ruhig zu atmen. Jetzt nur nicht durchdrehen. Tu einfach so, als sei das alles nur ein Film. Das ist alles nicht echt. Ganz ruhig. Mit einem mal wünschte ich mir, ich hätte mir einen der Kobolde angesehen in dem Buch. Wieso hatte ich mich nicht für Garos entschieden? Jetzt war es zu spät – ich kannte seine Symbole nicht und konnte mich nicht mehr umentscheiden. Ich war ja sowas von geliefert.

Die Schülerinnen vor mir sagten keinen Ton. Unser Lehrer wirkte hingegen unbekümmert. Als wäre der Tod eines Schülers eine Banalität für ihn. „Die nächste.“ Er deutete auf mich.

Meine Eingeweide verkrampften sich so sehr, dass ich fürchtete, mich spontan übergeben zu müssen. Dennoch erhob ich mich. Langsam stieg ich die Stufen von meinem Platz nach unten bis nach vorne. Isabella murmelte etwas, das ich nicht verstand. Verhaltenes Gekicher folgte. Ich versuchte das auszublenden. Was waren das für Psychopathen, dass sie jetzt schon wieder lachen konnten? Aber ich hatte jetzt keine Zeit für einen hysterischen Anfall. Jetzt ging es um mein eigenes Überleben. Ich schluckte und räusperte mich. „Ich muss mir das nochmal ansehen. Ich glaube ich habe mir auch… etwas zu Schweres ausgesucht.“

Menowin schüttelte den Kopf. „Ihr hattet alle gleich viel Zeit.“ Er reichte mir einen Kettenanhänger und ein Stück Kreide.

Ja, mal abgesehen von den bisherigen sechzehn Jahren… Konnte ich vielleicht noch weglaufen? Ich starrte auf die Gegenstände, die er mir noch immer entgegenstreckte, auf die Tür und zum Fenster. Garos sah mich erwartungsvoll an. Wieder zur Tür.

„Denk nicht mal dran, Mädchen! Wir haben nicht die ganze Nacht Zeit und ich dulde keinen Ungehorsam! Beschwör deinen Dämon oder ich sorge höchstpersönlich für deine Eliminierung.“

Ich sah den alten Mann prüfend an. Seine wässrig blauen Augen strahlten unnachgiebige Verärgerung aus. Würde er mich… eliminieren? Zumindest sah er so aus, als meinte er es ernst.

Mit zitternden Händen griff ich nach den Gegenständen, schloss für einen Moment die Augen und atmete tief durch. Du schaffst das, Nora. Konzentrier dich.

„Wann fängt sie denn endlich mal an?“, zischte Isabella nicht gerade leise und zustimmendes Gemurmel schwoll an. Auch das blendete ich aus. Ich erinnerte mich an die Kreise, die ich geübt hatte und an das, was im Buch gestanden hatte. Dann begann ich auf den Boden zu zeichnen (die Blutspritzer ausblendend). Der Kreis musste geschlossen und rund sein. Mit den Elementsymbolen zwang ich den Dämon dazu meinem Ruf zu folgen. Dann der Kettenanhänger. Es handelte sich um einen flachen Stein an einer silbernen Kette. Das Symbol der Bindung musste mit dem wahren Namen des Dämons verschlungen werden. Auch das hatte ich geübt. Ich führte die Skizze aus, sah prüfend auf den Anhänger und auf den Kreis am Boden. Würde das funktionieren? Oder würde ich-… Nein! Nicht daran denken! Ich wünschte, ich hätte mir auch die wahren Namen für einen der Kobolde angesehen. Aber ich kannte nur diesen hier…

Tu es einfach!

Ich aktivierte in Gedanken den Zauber, indem ich all meinen Willen darauf richtete. Sofort spürte ich ein Aufwallen von dunkler Macht in meinem Inneren. Sie streckte sich über die Grenzen meines Kopfes hinweg aus und suchte nach etwas. Nach jemandem. Ich fühlte den Moment, in dem sie auf etwas traf, das darauf antwortete. Auf eine Präsenz. Die Präsenz wurde zu mir gezerrt. Noch während dieses Prozesses spürte ich, dass ich einen Fehler begangen hatte. Die Präsenz war stärker als meine eigene Macht und anstatt dass meine Macht die Präsenz einschloss, wehrte die Präsenz sie mühelos ab.

Mir stellten sich die Nackenhaare auf und ich öffnete die Augen, obwohl ich nicht sehen wollte, wen ich da in den Kreis gerufen hatte.

Der Dämon erschien. Hinter mir ertönten erstaunte Ausrufe. Auch der Dämon schien überrascht zu sein. Er starrte mich ungläubig an, sah über meine Schulter hinweg, sah nach links und rechts. Sein Blick fiel auf Garos. Garos starrte zurück. Der Blick der Krähe wandte sich mir zu. Wandelte sich von enttäuscht zu vorwurfsvoll zu zornig. Wenn ich nicht ohnehin in den nächsten Minuten gefressen werden würde, hätte es ein Nachspiel gegeben.

Ich sah wieder zu dem Dämon, mit dessen Beschwörung ich einen Fehler gemacht hatte. Er sah zurück zu mir. Im Raum war es so still, dass man ein Blatt Papier zu Boden hätte fallen hören können.

„Jetzt friss sie endlich!“, rief Isabella schließlich, als die Spannung nicht mehr auszuhalten war. Ihre Stimme ließ mich zusammenzucken.

So fühlte sich eine Maus, wenn sie Auge in Auge einer Katze gegenüberstand.

Liam stand nach wie vor unschlüssig in meinem Beschwörungskreis, legte den Kopf schräg und betrachtete mich, als wäre ich ein besonders merkwürdiges Insekt. „Willst du das noch irgendwie erklären, bevor ich dich fresse?“, erkundigte er sich höflich – aber seine Stimme klang kalt. Würde er mich wirklich umbringen?

„B-bitte… t-tut mir leid… i-ich…“ Ich verstummte, räusperte mich und versuchte einen Gedanken aus meinem vor Todesangst erstarrten Gehirn zu quetschen. Irgendetwas Hilfreiches.

Hinter mir lachte jemand.

Liam musterte mein Gesicht, ließ seine unergründlich grauen Augen über die Zuschauer hinter mir gleiten und schüttelte dann den Kopf. „Schon gut. Sagen wir, ich hebe mir das für später auf.“

Ich blinzelte und versuchte zu realisieren, was ich gerade gehört hatte. „D-du wirst mich nicht fressen?“

Er lächelte gespielt liebenswürdig. „Zumindest jetzt nicht. Menschenfleisch liegt mir immer so schwer im Magen.“

War das ein Witz? War ich in Gefahr? War ich in Sicherheit? Er trat aus dem Kreis heraus, wodurch dieser sich in schwarzen Rauch auflöste, steckte die Hände in die Hosentaschen und sah mich erwartungsvoll an. „Setzen wir uns irgendwo hin?“

Blinzelnd sah ich zu Menowin. Er hatte einen säuerlichen Zug um den Mund, so als würde ihn die Ungerechtigkeit bezüglich meines noch nicht eingetretenen Todes ärgern. Er nickte mit seinem schlaffen Kinn in Richtung meines Platzes.

Ich räusperte mich, drehte mich um und wankte auf wackligen Beinen die Treppen hoch zum dreizehnten Platz. Das quietschende Holz hinter mir verriet, dass Liam mir folgte.

Die anderen Mädchen murmelten. Die meisten hätten mich wohl lieber tot gesehen. Ich schnappte Wörter wie „unfair“, „nicht verdient“ und „typisch Mensch“ auf. Der einzige Satz, den ich klar und deutlich verstehen konnte, stammte von Isabella. Ihre arrogante, glockenhelle Stimme hallte durch den Raum. „Ich hoffe er überlegt es sich anders und verschlingt diese Menschenschlampe, damit wir sie endlich los sind!“

Merkwürdigerweise war mir die Meinung der anderen völlig egal. Das unfassbare Glück noch am Leben zu sein stieg prickelnd in mir auf, bis in den Kopf. Obwohl ich mir nicht sicher war, ob ich jetzt außer Gefahr war. Ich erreichte den Sitzplatz und sah Liam fragend an. Die Aufmerksamkeit der anderen wandte sich bereits der nächsten Schülerin zu. Isabella.

Ich deutete unbeholfen auf den Platz. „Ähm, willst du?“

Er schüttelte den Kopf und verschränkte die Arme. Sein Blick ging an mir vorbei zu Isabella.

Ich brauchte Gewissheit. „Nur um das festzuhalten – also bringst du mich nicht um?“

Er warf mir einen unbewegten Blick zu und zuckte mit den Schultern. „Nein.“

Erleichterung durchflutete mich. Ich hatte es geschafft! Ich war außer Gefahr! Erschöpft ließ ich mich auf meinen Platz sinken und blinzelte nach vorn. In einem perfekten Kreidekreis erschien Garos vor Isabella. Er sah sie an, sah mich an und ich konnte schwören seine kleinen starren Vogelaugen brannten vor Hass auf mich.

Ich konnte das alles noch gar nicht fassen. Ich war noch am Leben!

Die anderen Beschwörungen verliefen ohne Probleme. Samaras Begleiterin war eine haarige, fette Spinne.

Eine andere beschwor eine kleine Fledermaus, die ihr sogleich auf die Schulter flatterte und dort herumkrabbelte. Wieder jemand anderes hatte sich für eine schlanke, schwarze Katze entschieden.

Immerhin wurde niemand mehr gefressen.

Ich schielte zu Liam, der neben mir saß und das Treiben mit gelangweilter Miene und verschränkten Armen betrachtete. Er war mein Entführer. Nun jedoch auch mein Begleiter, also die Quelle meiner Magie.

Als alle zwölf Schülerinnen einen Begleiter hatten, führte Menowin uns in die Bibliothek. Wir sollten uns ein paar einfache erste Zauber suchen. Auf dem Weg hielt ich mich hinter den anderen und ging neben Liam. Nun, da die Todesangst ganz abgeflaut war, drängten sich die Erinnerung an das weiße Kaninchen und das Geräusch brechender Knochen auf. Ich versuchte es zu unterdrücken. Mein ganzer Körper zitterte und ich konnte noch so viel blinzeln – schließlich liefen die Tränen über. Ich versuchte leise zu sein und ging immer langsamer.

„Was ist denn?“

Durch den Tränenschleier konnte ich Liams Gesicht nicht erkennen und hickste bloß.

Eine Hand legte sich unbeholfen auf meine Schulter und tätschelte sie. „Keine Angst, ich tue dir nichts. Ich habe noch nie jemanden getötet und werde jetzt nicht damit anfangen.“

Ich versuchte mich unter Kontrolle zu bekommen, aber es ging einfach nicht. Der Schock darüber jemanden sterben zu sehen, entfaltete seine Wirkung. Ich schüttelte den Kopf, brachte aber kein Wort heraus.

Einen Moment standen wir nur so da, während ich versuchte nicht zu schluchzen und meine Gefühle zurückzudrängen. Schließlich legte Liam unbeholfen die Arme um mich und zog mich in eine ungelenke Umarmung. „Bitte hör auf zu heulen, ich weiß nicht was ich machen soll.“

Das brachte mich zum Lachen, stoppte die Tränen aber nicht. Ich vergrub mein verheultes Gesicht an seiner Schulter, obwohl mir die Nase lief, und klammerte mich an den Dämon. Ich fühlte mich so allein. Ich sehnte mich nach Jesse, nach jemand Vertrautem. Liam tätschelte mir wieder den Rücken ohne Gefühl. Aber er ließ zu, dass ich sein Shirt vollheulte und sein Geruch nach Regen im Sommer mich einhüllte.

Brechende Knochen. Ein Schrei der plötzlich endete. Scheiße, wann würde das denn aufhören? Meine Gefühle halfen dem armen Mädchen auch nicht mehr. Also heulte ich und heulte, bis mein Körper es irgendwann aufgab. Ich fühlte mich tatsächlich besser als das Schluchzen schließlich abebbte und ich mich von Liam löste. Mit dem Ärmel wischte ich mir die letzten Tränen und den Rotz ab. Der Stoff kratzte auf meinem gereizten Gesicht.

Liam sah nicht mehr genervt aus, wie bisher immer. Sondern erleichtert und verwirrt. Er lächelte unsicher. „Ja dann…“ Er blickte auf seine durchnässte Schulter. „Gehe ich mich mal umziehen.“

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