Mit einer bösen Fee

Auf den drohenden Blick ihrer Mutter hin nickte Vana der bösen Fee zu. Über deren scharf geschnittenes Gesicht huschte ein unheimliches Lächeln und sie gab Vana ein Fläschchen. Ein Parfümflakon. „Und damit werde ich schön sein?“, fragte Vana. Den Zweifel konnte sie nicht ganz aus ihrer Stimme fernhalten.
„Ein Spritzer und ihr werdet die schönste Frau der Welt“, versprach die böse Fee.
Warum grinste sie so breit? Da gab es doch bestimmt einen Harken.
„Vana, nun mach schon!“ Mutter wurde zornig. „Wir sind nicht den ganzen Weg hergekommen und haben all das auf uns genommen, damit du jetzt hier herumstehst und Fragen stellst, du rücksichtsloses Ding!“
Trotz des Gefühls einen folgenschweren Fehler zu begehen, öffnete Vana den Deckel und gab einen Spritzer Parfüm auf ihren Hals. Vielleicht würde Mutter dann endlich einmal zufrieden mit ihr sein.
Kaum berührten die Tröpfchen ihre Haut, brannte es wie Säure. Erschrocken schrie Vana auf und ließ das Fläschchen fallen, während das Brennen sich vergrößerte. Über Hals, Gesicht, Schultern und den ganzen Körper.
Und dann verstummte Vana, während das Brennen schlimmer wurde – nicht weil sie nicht gern geschrien hätte, sondern weil kein Ton mehr über ihre Lippen kam. Sie konnte nicht mehr schreien.
Verzweifelt kratzte sie sich über die Haut, doch das Brennen wurde nur noch schlimmer.
Mutter packte ihre Handgelenke und hielt sie fest, damit Vanas Nägel die kostbare Haut nicht zerkratzten.
Denn was Vana nicht sah, war die Veränderung, die mit dem Brennen kam. Sie breitete sich aus und veränderte jeden Teil des Körpers des Mädchens bis ins Unkenntliche.
Vana weinte und zappelte im unbarmherzigen Griff ihrer Mutter.
Doch schließlich war es vorbei. Die Veränderung war vollbracht.
‚Du hast nicht gesagt dass es so weh tun würde!‘, wollte Vana die Fee anschreien. Doch sie konnte es nicht. Denn was die Fee auch nicht gesagt hatte, war, dass der Preis für die Schönheit Vanas Stimme war. Vana würde nie wieder sprechen. Oder schreien. Oder singen. Denn Vana war nun stumm.

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