Fazit zu Nachkriegs-Kinder, Kindheit in Deutschland 1945-1950, Zeitgut Band 2

Moin Leser

Heute das Fazit zu dem Buch
„Nachkriegs-Kinder, Kindheit in Deutschland 1945-1950, Zeitgut Band 2“
Worum geht’s?
In dem Buch wurden 67 Zeitzeugen Erinnerungen wie kurze Geschichten abgedruckt. Durch die verschiedenen Autoren kriegen wir Einblick in verschiedenen Situationen in Deutschland aus der Sicht von verschiedenen Kindern. Dazwischen Fotos von Menschen und Essensmarken.
Die Erinnerungen spinnen einen Kontext, in den ich die Erzählungen meiner eigenen Großeltern erstmals einordnen kann. Es ist als ginge es um ein ganz anderes Land – dabei ist das nicht mal hundert Jahre her.
Bislang wusste ich nicht viel über diese Zeit. Die Worte „Es gab ja nichts“ habe ich von meinen Großeltern zwar schon oft gehört, aber nie wirklich verstanden wie weit das geht.

Am Anfang geht es in vielen Geschichten um das Ende des Krieges. Wie die Todesmärsche mit angesehen und zumindest von den Kindern nicht verstanden werden. KZ Insassen werden durch die Straßen getrieben um den Alliierten nicht in die Hände zu fallen. Viele überleben das nicht.
Panzerbarrikaden werden gebaut und dann von der Bevölkerung selbst niedergerissen in der Hoffnung damit die anrückenden Soldaten milde zu stimmen.

Dann geht es viel um die Nachkriegszeit an sich. Die Geschichten sind voller schöner Zufälle und kleiner Abenteuer, aber man liest auch das Gesamtbild heraus.

So wie ich es aus den Geschichten entnehme gibt es drei verschiedene Grundsituationen in denen die Menschen nach dem Krieg gelebt haben.

Stadtbevölkerung – manche ausgebombt und somit ohne jeglichen Besitz, andere noch in ihren eigenen Wohnungen und dementsprechend mit Besitz den man eintauschen kann.
Alle hungrig und knapp an Kleidung und Brennstoff. Es geht auf Raubzüge um Kohle zu stehlen. Mit Marken steht man manchmal lange in der Kälte vor Läden um bestimmte Lebensmittel zu bekommen und geht unter Umständen doch leer aus – wenn die Leute vor einem schon alles geleert haben was es gab. In Schulen und Kindergärten muss jedes Kind Brennmaterial mitbringen, um eingelassen zu werden, denn sonst ist es in den Räumen bitter kalt.

Wer Wertgegenstände hat, geht auf „Hamsterfahrt“ – fährt also illegal aufs Land um Silberbesteck, Schmuck und alles von Wert gegen Essen zu tauschen. Wer von den Besatzungsmächten erwischt wird, der hat Pech gehabt.
Die Städte liegen in Trümmern.
Es kommt zu Zwangseinquartierungen wie auch auf dem Land. Familien werden auf engstem Raum zusammen gesteckt.
Es gibt Stromsperren – im Haus und auf der Straße wird die Elektrizität für einige Stunden als Sparmaßnahme abgeschaltet. Licht wird mit Kerzen (Hindenburgkerzen, anscheinend eine Art stinkende Teelichter) erzeugt.
Die Leute sind wirklich hungrig, wobei es einigen besser geht als anderen. Wer keinen Garten, keine guten Beziehungen und keine Wertgegenstände zum Tauschen hat, geht dazu über den Müll zu durchsuchen und zu stehlen. Das Essen von der Regierung reicht nicht.

Anders ist es bei der Landbevölkerung, die immerhin etwas anbauen kann. Sie kann mit den Hamsterern tauschen, wenn sie genug übrig haben. Sie müssen nicht nur sich selbst versorgen, sondern auch hohe Abgaben leisten. Vieh darf nicht geschlachtet werden.

Die Flüchtlinge aus den ehemals deutschen Gebieten, die mit nichts in ein zerstörtes Deutschland kommen und ebenfalls bei Leuten einquartiert werden. Manche haben nichts außer Strohsäcke, auf denen sie schlafen können, anderen geht es besser.

Aus der unverständigen Kinder-Perspektive wird vor allem am Anfang des Buches (mit dem Ende des Krieges und dem Einmarsch der Besatzungsmächte) die Bedrohung von Vergewaltigungen durch Soldaten und Schutzmaßnahmen dagegen geschildert.

Kinderlandverschickung – ein Programm bei dem Stadt-Kinder ohne Eltern zu fremden aufs Land geschickt wurden um dort mehr zu essen zu bekommen. Besonders im Gedächtnis geblieben ist mir eine Geschichte von einem Mädchen aus Berlin das im tiefsten Bayern landet. Aus Pech ist sie weit weg von den anderen Kindern aus der KLV und richtig einsam. Es scheint eine große Sache zu sein dass das Kind Preußin und Protestantin ist. Die Erzählerin schildert den Gedanken „Weil wir Preußen Schuld am Krieg sind können die Leute hier und nicht leiden“. Außerdem herrscht Misstrauen zwischen Protestanten und Katholiken.

In manchen Geschichten wird von einer großen Zerrissenheit zwischen den zusammengepferchten Gruppen berichtet, in anderen wird ein Zusammenhalt über alle Unterschiede hinweg gelobt, wie es ihn heute nicht mehr gäbe.

Ich könnte noch so weiter schreiben, aber die für mich wichtigsten inhaltlichen Punkte habe ich jetzt benannt.
Mir hat das Buch gut gefallen. Es war spannend zu lesen. Manches hat mir Tränen in die Augen getrieben, anderes Wut oder Fassungslosigkeit erzeugt und manches hat mich zum Lächeln gebracht.

Ich empfehle dieses Buch jedem der etwas über die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg erfahren möchte – darüber in was für einer Welt unsere Großeltern aufgewachsen sind.

Bis dann
Gedankenpilze

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