Abschließende Rezension: Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen, aber wissen sollten

Noch nie hat ein Buch so großen Einfluss auf meinen Alltag genommen.

Moin, Leser

Heute kommt endlich die Rezension zum Buch „Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen, aber wissen sollten“ von Alice Hasters.

Vielleicht hast du meine Lesetagebuch-beiträge gelesen, vielleicht auch nicht.

Diese Rezension hier soll ein Gesamtbild davon geben, was das Buch für mich ist oder was es mit mir gemacht hat.

Das ist wirklich schwierig – ich möchte keine Phrasen schmeißen, ich möchte keine Rezension schreiben, die ausschließlich aus Zitaten besteht und ich möchte mich nicht wiederholen.

Was also möchte ich denn?

1.) Dir eine klare Empfehlung aussprechen dieses Buch zu hören oder zu lesen – das wäre ja jetzt erledigt 😊

2.) Eine Idee davon geben, was das für ein Buch ist und wie es gemacht ist

3.) Erklären, was es mit mir gemacht hat. Es hat mich nämlich wirklich aus den Socken gehauen und mein Weltbild verändert.

Was und Wie:

Dieses Buch ist halb Sachbuch und halb Autobiografie. Die Autorin schreibt darüber was Rassismus ist, wie er in Deutschland auftritt, woher er kommt und wie sie das ganz persönlich erlebt.

Vorher dachte ich tatsächlich es gebe keinen oder kaum Rassismus in Deutschland. Das lag vor allem daran, dass ich nur physische Gewaltausschreitungen als Rassismus deklariert habe. Und auch von diesen Taten habe ich wenig mitbekommen.

Grob ist das Buch in 4 Bereiche gegliedert: Alltag, Körper, Liebe, Familie.

Dazu gibt es einen großen Bereich an Hintergrundwissen, welches ich vorher nicht hatte und das mich schockiert hat – zum Beispiel was Carl von Linné, Blumenbach und Immanuel Kant so an rassistischen Aussagen von sich gegeben haben. Die Autorin schreibt nicht nur als Opfer von Rassismus, sondern vor allem auch als die kompetente Journalistin, die sie ist. Ich habe so so so viel dazu gelernt, auch über deutsche Geschichte. Zumindest in meiner Schulzeit war die kritische Auseinandersetzung damit nämlich ausschließlich auf den Nationalsozialismus beschränkt und das ist viel zu kurz gegriffen. Obwohl ich Geschichte normalerweise nicht so interessant finde, habe ich es hier als große Bereicherung empfunden und keineswegs störend.

Durch die persönliche Perspektive von Alice Hasters habe ich nicht nur kognitiv zu verstehen begonnen, sondern auch mit dem Herzen und diese Kombination ist… bombastisch!

Frei zitiert nach Hörbuch:

„Der Rassismus im Kleinen hängt mit dem Rassismus im Großen zusammen. Das versuche ich an einem konkreten Beispiel zu erklären: mir selbst.“

„Ich will transparent machen, dass meine Welt oft anders aussieht als die von weißen Menschen.“

These: Wir sprechen falsch über Rassismus – es sollte nicht darum gehen was man heutzutage noch dürfe. Außerdem gibt es einen Sprung in der Schallplatte: Wir hüpfen immer wieder zum Anfang zurück: ob es Rassismus gibt und wenn ja wie schlimm er ist. Darum soll es in diesem Buch nicht gehen.

Unbewusster Rassismus steckt im Alltag. Man wird ihn also nicht los, indem man behauptet nicht rassistisch zu sein.

Einige „freie“ Zitate, die ich aus dem Hörbuch mitgeschrieben habe und für mich große Aussagekraft besitzen.

Was ich für mich als die produktivste Information empfinde: Was sind Mikroaggressionen und was fällt alles darunter? Was bewirken Mikroaggressionen? Wie erkenne und vermeide ich sie?

Einen Kritikpunkt muss ich leider hinzufügen, weil zu jeder Buchrezension hundertprozentige Ehrlichkeit dazu gehört:

Im dritten Viertel – hauptsächlich im Teil Liebe – habe ich mich persönlich angegriffen gefühlt und alles sehr stark auf mich selbst bezogen. Ich war frustriert und gewann den Eindruck: Also egal wie ich als Weiße auf Rassismus reagiere, es ist immer falsch?

Am Ende und beim Nochmal-Hören des Anfangs wurde mir klar, dass ich da etwas grundsätzlich falsch verstanden hatte. Trotzdem empfinde ich persönlich diesen Bereich als nicht so gelungen, eben weil er diese Reaktion in mir ausgelöst hat. Ob das jetzt fair ist, weil es eine suboptimale Umsetzung im Buch ist oder ob es meine eigene Schuld ist, weil ich es falsch verstanden habe – das weiß ich wirklich nicht. Aber bei jedem anderen Thema würde ich einem Buch trotzdem einen Stern dafür abziehen, dass es mich zwischendurch „verloren“ hat.

Fazit:

Bitte lies oder hör dieses Buch. Du wirst viel daraus mitnehmen und es lässt sich sehr leicht lesen oder hören, auch wenn man normalerweise eher vom Typ Unterhaltungsbuch-Konsument ist (so wie ich).

Vier von fünf Sternen für ein tolles Buch!

Hinterlass mir gerne deine Gedanken oder Meinung

Bis dann

Gedankenpilze

Das Bild kommt von der Internetseite: https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/was-weisse-menschen-nicht-ueber-rassismus-hoeren-wollen/978-3-446-26425-0/ und gehört mir daher nicht

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