LT7: Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen, aber wissen sollten

Moin, Leser!

Ich schreibe hiermit eine Serie von Blogbeiträgen, die eigenlich ein Lesetagebuch sind. Zu dem Buch „Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen, aber wissen sollten“ von Alice Hasters. Ich versuche in meinen Beiträgen Inhalte aufzugreifen und in kleine Häppchen zu teilen. Bei so einem aufwühlenden Thema habe ich eben viel dazu zu sagen… O:-)

Ich werde die Beiträge nummerieren (LT1, LT2 usw). Außerdem kannst du die anderen Beiträge über das Schlagwort „Rassismus Lesetagebuch“ finden.

Wenn ich etwas falsch formuliere oder verletzend bin, dann weis mich bitte darauf hin. Ich stehe bei dieser Reise der Weiterbildung noch am Anfang.

Hinterlass mir gerne deine Gedanken

LG

Gedankenpilze

Bis 87%:

Ich bin ziemlich frustriert über dieses Buch. Darüber musste ich erstmal viel reden und nachdenken, bevor ich es jetzt hier in Worte fassen kann.

Ungefähr ab der Hälfte wird ganz viel darüber geschrieben, was weiße Menschen alles falsch machen, wenn sie versuchen anti-rassistisch zu sein und bei mir kommt an: Egal was ich mache, es ist falsch. Ich soll nicht darüber schweigen, aber ich darf auch nichts sagen. Alles was ich sagen könnte, jede Form der Reaktion, wäre falsch. Das Buch lässt mich ziemlich hilflos zurück.

Nun ist es ja auch so, dass die Autorin viel über ihr Leben und ihre Erfahrungen schreibt und sie ist auch nur 1 Mensch. Keine Repräsentantin für alle Menschen, die schon einmal Opfer von Rassismus geworden sind. Das klingt jetzt richtig abwertend – so ist es nicht gemeint! Ich will damit nur sagen, dass ich vielleicht nicht jeden Hinweis von ihr zu meinem persönlichen Gesetz erklären sollte.

Wer hier Handlungsanweisungen sucht, ist in dem Buch einfach falsch.

– aber genau darum geht es mir ja. Also werde ich mich nicht davon abhalten lassen, über Rassismus zu reden und mich weiter zu informieren, obwohl ich weiß bin. Es kommt mir verrückt vor, sich über Missstände zu informieren und danach einfach die Klappe zu halten.

Oder habe ich das ganz falsch verstanden?

Von daher ist die zweite Hälfte des Buches bislang überhaupt nicht produktiv für mich. Alles, was mir in Zukunft dabei helfen kann, selbstkritisch zu sein, wurde bereits im ersten Drittel abgehandelt. Mikroaggressionen erkennen und vermeiden – ob ich sie als weiße Person bei anderen kritisieren darf, scheint fragwürdig. Meiner Ansicht nach sollte ich das aber tun.

Dann erzählt die Autorin aber auch noch viel Informatives über white saviourism als kapitalistische Masche – dass Kinder von verzweifelten Eltern in Waisenhäuser abgegeben werden und dann weiße Eurpäer mit viel Geldaufwand dorthin reisen um zu „helfen“. Nur dass das Geld nicht in eine Verbesserung der Gesamtsituation fließt. Außerdem schreibt sie über einen absurden Internetprotest bezüglich eines Warlords in Uganda. Über das Narrativ ‚Weißer rettet Schwarzen‘ in „Green Book“ (einen Film, der mich persönlich sehr bewegt hat).

Was ich daraus konkret für mich selbst mitnehmen kann? Eigentlich gar nichts. Vielleicht einen kritischeren Blick darauf zu haben wie sinnvoll Hilfsaktionen sind und wie in Filmen anti-rassistische messages verpackt werden. Also ob erst ein Weißer kommen muss, der BIPOC rettet – was ein Teil des problematischen Weltmodells ist, in dem wir leben.

Außerdem ging es noch um eine rassistische Version des Madonna-Hure Komplexes. Also die Hypersexualisierung von schwarzen Frauen auf der einen Seite und die Figur einer mehrgewichtigen schwarzen Mutterfigur auf der anderen.

Und um allgemeinen Rassismus im Bereich Tinder, Porno & Co. Es gibt anscheinend eine erdrückende Datenlage dazu.

Auch die Thematisierung dass das globale Schönheitsideal noch immer eurozentrisch weiß ist. Es ging um den Markt rund um gesundheitsschädliche Bleichcremes, Nasen-OP’s etc Body-shaming im Sport. Usw.

Und wie ausgewählte Fragmente aus Kultur von BIPOC in der breiten Öffentlichkeit von weißen Menschen annektiert werden und irgendwie auch legitimiert. – vorher war dieser Kulturbereich da, aber durch die Annektierung wird es erst cool oder allgemein akzeptiert. Ob das so ist oder nicht, weiß ich nicht. Von solchen Dingen bekomme ich im Allgemeinen nichts mit. Das glaube ich der Autorin einfach, denn sie macht den Eindruck sich sehr intensiv mit Rassismus beschäftigt zu haben und wirkt wie eine sehr kompetente, glaubwürdige Journalistin. Was sie schreibt, geht weit über persönliche Erlebnisse hinaus.

Insgesamt beinhaltet dieses Buch einfach sehr sehr viele Punkte, über die man mal nachgedacht haben sollte. So gesehen ist auch die zweite Hälfte auf jeden Fall lesenwert. Nur eine klare Handlungsanweisung fehlt, bzw ich habe wie gesagt das Gefühl, dass mir jede Form von aktiver Alltagsreaktion auf diese Themen verboten wird, weil ich keine Erfahrungen damit habe selbst Opfer von Rassismus zu werden.

Ich glaube ich muss dieses Buch später nochmal lesen / hören und auf jeden Fall noch andere Bücher zum Thema, um ein klareres Bild zu bekommen.

Aber erstmal muss ich das Buch überhaupt zu Ende hören

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