Biologie Exkurs 3 – Keine Pflanze ist krasser als Moos

Wenn man eine Zimmerpflanze nicht gießt, vertrocknet sie und ist tot. Für immer. Aber Moose sind die unvergammelten Zombies unter den Pflanzen. Wenn du Moos vertrocknen lässt und anschließend irgendwann wieder gießt, ist es wieder lebendig. Wtf?! (Zugegeben, das trifft nicht auf alle Moosarten zu)

Moose funktionieren anders, als „normale“ Pflanzen die wir kennen (anders als Tomaten, anders als Bäume, anders als Gänseblümchen etc).

Die „normalen“ Pflanzen, an die Leute meistens denken, wenn sie das Wort „Pflanze“ hören, sind nämlich Kormuspflanzen. Kormuspflanzen (=höhere Pflanzen) haben einen ganz strikten Aufbau aus folgenden 3 Grundorganen: Wurzel, Sprossachse, Blatt. Wobei die Grundorgane zum Teil stark abgewandelt sind. Sie nehmen Wasser über ihre Wurzeln auf, leiten sie über ihre Sprossachse (=“Stängel“ oder „Stamm“) (in speziellen Gefäßen darin, dem so genannten Xylem) nach oben zu den Blättern und dort verdunstet das Wasser und wird an die Umgebung abgegeben. Es entsteht ein ständiger Wasserstrom von unten nach oben. Das sind also Gefäßpflanzen. Ich erzähle das jetzt deshalb, weil man sonst gar nicht versteht, warum Moose so cool sind!

Moose sind eine Übergangsform zwischen Wasser- und Landpflanzen. Deshalb haben sie auch diese zombieartigen Superkräfte. Moose haben nämlich gar keine Wurzeln. Sie legen uns rein, mit einem Organ, das nur dazu da ist, sich am Boden festzuhalten. Diese Verankerung am Boden nimmt aber nichts auf, sondern hält das Moos nur dort, wo es sein will. Es ist keine Wurzel. Es ist ein Rhizoid. Deshalb braucht Moos auch keine Erde. Es kann auch auf Stein wachsen. Versuch das mal mit einer Tomatenpflanze! Könnte schwierig werden.

Anders als eine ‚normale‘ Pflanze, nimmt das Moos Wasser über seine ganze Oberfläche auf. Und seine Nahrung auch. Es frisst also mit der Haut. Das hat den Vorteil, dass wir Menschen dadurch herausfinden können, was für aufnehmbare Stoffe gerade so vorhanden sind, indem wir eine Moospflanze im Labor analysieren. (Auch interessant bei Resten alter Moospflanzen aus anderen Epochen… Was flog damals so rum?)

Und man kann darüber natürlich auch herausfinden wie alt ein Moos ist. Eine Moospflanze kann 1000 Jahre alt werden. Die älteste, gefundene, lebende Moospflanze ist noch deutlich älter.

Manche Moose schaffen sich auch ihr eigenes Ökosystem. Sie verändern den pH-Wert des Bodens, sammeln Feuchtigkeit und können unter bestimmten Bedingungen andere Pflanzen verdrängen. Torfmoose machen Moore. Sie kreieren sie. Auch wenn Moose natürlich nicht gegen uns Menschen ankommen und daher oft bedroht sind, weil wir die Moore zerstören, um mehr Fläche für Landwirtschaft oder Gebäude oder was-auch-immer zu haben. Viele Moosarten sind bedroht.

Außerdem ziehen Moose – genauso wie Farne – dieses verrückte Generationswechsel Ding durch. Die Elterngeneration sieht einfach komplett anders aus als ihre Tochtergeneration. Vielleicht hat schon mal jemand gesehen, dass auf dem flauschigen Moos (Laubmoos) manchmal so kleine Stiele mit Kapseln drauf sind. Diese Stiele mit Kapseln sind nicht etwa ein Pflanzenorgan. Nein. Sie sind eine andere Generation. Der flauschige Teppich und die Stiele mit Kapseln sind die Eltern- und die Tochtergeneration. Verrückt!

Der Moosteppich ist nämlich ein haploider Gametophyt, also eine Pflanze mit der Hälfte der Erbinformation (DNA, Chromosomen). Diese Pflanze bildet Gameten (=Keimzellen). Gameten sind ebenfalls haploid (=haben nur einen halben Chromosomensatz). Aber die richtigen Gameten können sich finden und miteinander zu einer Zygote verschmelzen (Befruchtung). Aus der Zygote, die jetzt diploid ist, wird ein neuer Organismus: Ein Stiel mit Kapsel. Die Kapsel ist ein Sporenbehälter. In ihm werden Sporen hergestellt. Und wenn die Sporen irgendwo hin getragen werden, wo es ihnen gefällt (Erdboden, Fels, egal), dann keimen sie aus und werden zu der Moospflanze, die wir kennen.

Das Flauschmoos ist übrigens Laubmoos. Man kann Moose nämlich in Laubmoos, Hornmoos und Lebermoos unterteilen. In Deutschland wächst aber fast nur Laubmoos.

Fun Fact: Lebermoos heißt übrigens „Lebermoos“, weil die Leute sich im Mittelalter dachten: Hey, das sieht irgendwie aus wie eine Leber. Wenn es aussieht wie Leber, ist es auch gut für die Leber. Lasst uns Medizin daraus machen! Wir kochen es in Wein und kurieren damit Leberschäden. Deshalb heißt Lebermoos Lebermoos.

Mehr über Moose mitsamt hübschen Bildern:

Teil 1: (dauert zehn Minuten)

https://www.youtube.com/watch?v=NjgmXqYrKGA

Teil 2: (dauert zehn Minuten)

https://www.youtube.com/watch?v=LYbM2kLXvDY

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