Psychisch „Krank“ → „gesund“

Hallihallo

Ich habe mich entschieden, mal wieder über ein Thema zu schreiben, mit dem ich mich schon sehr lange beschäftige. Notgedrungen sozusagen.

Und zwar kämpfe ich schon sehr lange mit bestimmten Problemen (Ängste, depressive Episoden) und zur Zeit erlebe ich eine ungewöhnlich lange Phase, in der es mir wirklich gut geht, weshalb ich diese Thematik ein bisschen verdrängt habe. Aber ich möchte eigentlich auch andere an meinen Erkenntnissen Teil haben lassen. Ich möchte erzählen, was mir geholfen hat. In der Hoffnung, dass es anderen auch hilft. Der Prozess der psychischen Genesung ist natürlich sehr individuell und deshalb kann man vielleicht keine allgemeingültigen Regeln aufstellen. Aber vielleicht hilft es irgendjemandem ja, erzählt zu bekommen, was ich so erlebt habe.

In meiner Vergangenheit gibt es schlimme Dinge, die mir widerfahren sind und Situationen, in denen ich mich falsch verhalten habe, wofür ich mich noch heute schäme (auch wenn ich damals zum Teil wirklich ein kleines Kind war. Was kann man von achtjährigen schon für Moral und Gewissen erwarten?).

Eine innere Einstellung, die mir sehr geholfen hat, ist, das zu akzeptieren. Meine Kindheit war vielleicht scheiße. So what. Dabei will ich das nicht herunterspielen vor mir selbst, sondern mir diesen Schmerz schon zugestehen. Aber ich versuche nicht mehr, die Vergangenheit zu ändern. Aus der Perspektive von anderen Menschen mag das komisch klingen, weil man natürlich nichts ändern kann, was in der Vergangenheit liegt. Aber ich wollte das alles lange Zeit immer ändern, weil es für mich so schlimm war, mit meinen Erlebnissen zu leben. Aber das geht nicht. Also akzeptiere ich, dass meine Vergangenheit vergangen ist und konzentriere mich auf die Gegenwart und die Zukunft.

Was mir auch geholfen hat, war/ist professionelle Hilfe. Ich habe viel und lange ambulante Therapie gemacht, meistens psychoanalytische Therapie mit erfahrenen, niedergelassenen Therapeutinnen. Und ich war zwei mal in der Psychiatrie. Einmal in einer tiefenpsychologisch fundiert arbeitenden Klinik, die ich sehr empfehlen kann (Asklepios Tiefenbrunn) und einmal in einer Einrichtung, die einfach alles mögliche an Stationen hat. Dort war ich eine Zeit lang auf der geschlossenen Station, eine Zeit auf der Akutstation und eine Zeit auf einer DBT Station. Dann bin ich erst nach Hause gegangen. Außerdem hat mir die Medikamentierung von einem niedergelassenen, erfahrenen Psychiater sehr geholfen. Ich werde mir nie wieder etwas, das ich länger nehmen soll, im Notdienst verschreiben lassen. Außer vielleicht ich kenne es schon. Aber darum gehts ja jetzt nicht.

Was mir auch sehr geholfen hat, ist die Erkenntnis und der Auftrag, für mich selbst. Selbstliebe/Selbstvertrauen/Selbstwertgefühl fußt immer auf Selbstfürsorge. Das heißt, dass ich für mich selbst so gut sorge, wie ich das auch für andere Menschen tun würde, die ich sehr liebe (enge Freunde etc). Das heißt, dass ich auf meine eigenen Bedürfnisse achte – sowohl auf die körperlichen, als auch auf die seelischen – und sie befriedige, so weit es nur irgendwie möglich ist.

Das ist natürlich ganz schön schwierig einzuhalten. Aber die Gesundheit steht nun mal immer an erster Stelle und deshalb ist es sehr wichtig, regelmäßig und gesund zu essen, seinem Körper etwas Gutes zu tun (Yoga zum Beispiel), sich im Zusammenspiel mit anderen Menschen ernst und wichtig zu nehmen, zum Beispiel indem ich Grenzen setze und mein eigenes Wohl über das meiner Mitmenschen stelle.

Ja. Ich könnte jetzt noch sehr viel mehr schreiben, aber drei der wichtigsten Punkte habe ich jetzt dargelegt und das reicht auch erstmal als Anreiz für andere Menschen.

Auf die Idee dazu, nochmal über meine psychischen Probleme zu schreiben, kam ich übrigens, weil ich gestern wieder eine schlimmere Nacht hatte. Normalerweise schlafe ich zur Zeit gut durch und bin beim Einschlafen neutral oder positiv gestimmt. So soll es ja auch sein.

Aber gestern konnte ich erst überhaupt nicht einschlafen, weil ich wieder starke Angstgedanken hatte. Angstgedanken sind Gedanken, in die ich mich ungewollt ein wenig reinsteigere, obwohl ich eigentlich weiß, dass sie absurd sind. In meinem Fall hatte ich große Angst davor, schlechte Klausuren zu schreiben. Schlechte Leistungen ab zu liefern, ist nichts, was starke Angst rechtfertigt. Angst ist ein Mechanismus unseres Körpers, der uns vor tödlichen Gefahren bewahren soll. Säbelzahntiger und dergleichen. Klausuren sind aber keinesfalls eine lebensbedrohliche Situation. Es ist nur einfach so, dass diese Angst bei mir direkt an Existenzängste gekoppelt ist und wenn ich abends so im Bett liege, fällt es mir auch schwer, zu sehen, wie verrückt diese Angst eigentlich ist. Nur weil man vielleicht schlechte Klausuren schreibt, wird man nämlich nicht automatisch arbeits- und obdachlos und ausgestoßen von der Gesellschaft, der Familie und Freunden. Das ist verrückt! Aber Ängste sind nicht rational. Sie kommen übrigens vom ältesten Teil unseres Gehirns und wurden dazu angelegt, in einer Gefahrensituation (z.B. ein großes Raubtier will mich fressen) schnell und stark zu sein, damit wir kämpfen oder fliehen können.

Psychosomatische Beschwerden, sind körperliche Beschwerden, die der Ausdruck von einem psychischen Leiden sind. Also körperliche Symptome wie zum Beispiel ständige Kopfschmerzen. Aber die Ursache ist nicht oder nur zu einem kleinen Teil körperlicher Natur.

Angst zum Beispiel „sitzt im Nacken“. Der Körper speichert Angst und subjektiv empfundenen Leistungsdruck in Nacken- und Schulterverspannungen, bei manchen Menschen.

Wobei solche Verspannungen natürlich auch nicht-psychosomatischer-Natur sein können. Wer den ganzen Tag am Computer sitzt, kennt diese Verspannungen wahrscheinlich auch gut.

(Kleiner Tipp: Sich über Dehnübungen schlau machen, die genau auf diesen Bereich zielen und mindestens ein mal am Tag durchführen)

Was auch sehr interessant ist: in der Klinik schlug mir von Mitpatienten oft die Meinung entgegen „Wer einmal psychisch krank geworden/depressiv ist, der wird nie wieder gesund. Das bleibt für immer so.“ Es gibt sogar manche Ärzte, die so etwas sagen. Und es stimmt nicht!!! Wer mit einer wiederkehrenden Depression zu tun hat, kann sehr wohl gesund werden. Ich hatte zum Beispiel oft depressive Episoden mit Lethargie, Pessimismus, Suizidgedanken etc und mittlerweile hatte ich seit einem Dreiviertel Jahr nicht mehr den Drang, mir weh zu tun oder zu sterben. Das ist das erste mal so und ein deutliches Zeichen, dass auch lange, gesunde Phasen möglich sind. Lasst euch also nicht so einen Quatsch einreden!

Sorgt gut für euch ❤

 

Euer Gedankenpilz

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