Roman „Hades“ von Candice Fox

Ohne Spoiler!

Nach meinem Ausflug in die romantische Welt der Frauenliteratur steht mir nun der Sinn nach etwas spannend-düsterem.

Meine Wahl ist auf einen Roman gefallen mit dem Titel „Hades“ von Candice Fox. Covergestaltung: Die ansprechende Fotografie von drei Menschen. Man sieht nur die Rückansicht von einem Mann und zwei Kindern, die auf eine Stadt blicken. Der Untertitel lautet „Als Killer wird man nicht geboren. Man wird dazu gemacht.“

Erster Band einer Trilogie.

Anfang mit einem kursivem Prolog.

Atmosphärisch aber spannend geschrieben. Man erfährt etwas über den Mann, der anscheinend der Protagonist sein soll. Ein paar Umgebungs- und Personenbeschreibungen sind dabei, aber knapp und eingestreut.

Mir gefällt die Beschreibung des Hauses an der Mülldeponie. Man ahnt bereits, dass der Bewohner etwas anders ist als erwartet – so wie er die Wohnung eingerichtet hat.

Am Ende des Prologs ist klar, dass Hades, der selbsternannte ‚Herr der Unterwelt‘ sich für den Guten hält.

Eindruck nach ca. dem ersten Drittel:

Tatsächlich ist Hades nicht die Hauptfigur. Eine Ich-Figur erzählt. Sie ist ein männlicher Polizist, der neu in ein Team bei der Mordkommission kommt. Er arbeitet mit dem Mädchen zusammen, das inzwischen Polizistin geworden ist und das der Leser kennt, weil das Buch so aufgebaut ist.

Kursive Vergangenheit der Geschwister Eden und Eric bei Hades wechseln sich mit den in der Gegenwart geschilderten Erlebnissen der Ich-Figur und Sequenzen über den Mörder ab, der noch lange lange nicht in der Nähe des Tatverdachts ist.

Der Leser wird also an eine zusammenhängende Geschichte über eine Mordserie, die anscheinend etwas mit Organdiebstahl zu tun hat, aus 3 Perspektiven herangeführt. Es geht genauso sehr um die Portraitierung der Figuren wie um die aktuelle Story mit den Organmorden…

Alle Figuren haben sehr dunkle Schattenseiten, sind aber so dargestellt, dass man sie als Leser irgendwie verstehen und mitfühlen kann. Echte Sympathie kommt aber nicht auf, eher sehr viel Stirnrunzeln. Jede Figur ist zu Gewalt fähig und nie weit davon entfernt… Das Buch ist aber nicht so deprimierend, wie es sein könnte. Eher ein kalter Hauch, bei dem man mit Spannung und Sorge dabei bleibt.

Obwohl die Figuren sehr authentisch skizziert werden, mag zumindest ich sie nicht besonders. Ich frage mich, ob von den Figuren noch jemand zum „Bösen“ überläuft, wobei richtig „Gut“ ja auch keiner ist. Wer ein Problem mit seelisch gequälten Kindern hat, sollte sich von dieser Lektüre fernhalten.

Ich denke das Buch wird ziemlich geradlinig weitergehen. Mal schauen.

Der Schreibstil bleibt schnörkellos und direkt, fängt immer ein bisschen Atmosphäre ein und konzentriert sich auf das Wesentliche.

Nach ca. 4/5 des Bandes:

Was macht einen Menschen fähig zu Gräueltaten?

In jedem steckt das Potential zu töten, zu quälen, Rache zu üben… Ist es überhaupt eine Wahl? Oder etwas das passiert, nachdem bestimmte Seelenteile zerbrochen wurden?

Das Buch ging nicht so geradlinig und vorhersehbar weiter wie gedacht. Ich als Leser wurde in eine Position versetzt, in der ich das Innenleben der Figuren zu greifen können glaube. Große Spannung, Hoffnung, leises Entsetzen ist in mir mit der Geschichte verbunden.

Figuren, die alles andere als einseitig oder durchschaubar sind, wurden authentisch in diese Story verwoben.

Obwohl das Buch noch nicht zu Ende ist, erscheint es mir auf jeden Fall empfehlenswert für Leser, die sich für diese Art von Roman interessieren.

Was geht in einem Psychopathen vor? Die Art wie ich zu den Figuren stehe, erinnert mich an ein Buch namens „Neunzehn Minuten“ von Jodi Picoult. Eines der besten Bücher, die ich je gelesen habe, aber ganz anders ausgerichtet…

Das Ende von „Hades“ erwarte ich gespannt.

Fertig gelesen und allgemeines Fazit:

Das Ende ist krass. Ein wirklich gutes Buch, meiner Meinung nach. Man kann es doch auch als in sich abgeschlossene Geschichte sehen, auch wenn der zweite Band (für den am Ende des Buches schon geworben wird), vielversprechend und ungewöhnlich klingt.

Die Figuren haben sich sehr verändert. Insgesamt gesehen geht es in diesem Roman um Bindungen zwischen Menschen, die aus etwas anderem als Sympathie besteht. Aufregend, wirklich…

Das Buch wird immer besser, je weiter man liest. Zwischendurch keine Etappen, in denen es sich schleppt. Es scheint inhaltlich alles zueinander zu passen.

Düstere, düstere Menschen und ihre rabenschwarze Geschichte… kunstvoll aufgerollt, während die erzählte Gegenwart voranschreitet. Immer so, dass es passt. Keine brutalen Sprünge, die einen als Leser nerven könnten, so nach dem Motto „Ich wollte doch wissen wie es jetzt hier weiter geht, was soll der Wechsel?“

Daumen hoch!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s